Samstag, 15. Februar 2014

Back on the Road!

Es ging nun endlich wieder auf die Straße. Wir wussten beide nicht wirklich was uns erwartet und wo es denn überhaupt hingehen soll. Aber genau das macht einen guten Roadtrip aus. Kein Zeitdruck , keine genauen Ziele und jede Menge Spontanität. Wir verließen Perth an dem heißesten Tag der letzten 7 Jahre Richtung Süden. Flos guter Van namens Ludwig hat so ein paar kleine Macken, die man vor alle bei der Hitze zu spüren bekommt. Da er bei hohen Temperaturen schnell warm wird muss als Ausgleich die Heizung laufen. Bei 46 Grad Außentemperatur und zusätzlicher Heizung kommt man dann auch schon mal ins Schwitzen! Ein weiteres Manko an seinem Van ist, dass er nicht mehr zugelassen ist. Die Polizei hatte bei einer Verkehrskontrolle festgestellt, dass die Windschutzscheibe einen Riss hat und der Wagen an sich ein bisschen abgenutzt aussieht. Der gudste Ludwig bekam also einen großen gelben Aufkleber als Hinweis für den nächsten Polizist. Man hat ab dann Zeit die Problemzonen zu behandeln und wenn man dies nicht tut bis zu besagtem Datum wird das Auto bei der nächsten Kontrolle konfisziert. Polizeikontrollen also meiden sonst geht’s zu Fuß weiter. Außerdem kann man die Seiten- und Hintertür nur von ihnen aufmachen. Für diese recht beliebten Anlässe haben wir das gute Schnick-Schnack-Schnauck eingeführt um zu ermitteln wer die Klappen aufmachen muss. Sonst ist der Van in Top-Form vor allem weil er einen billigen Spritverbrauch hat, bequem und geräumig ist. Die wichtigsten Eigenschaften, die ein Backpacker Auto haben muss!
Als erstes Ziel steuerten wir die Magret River Region an. Dort trafen wir Julius mit dem Flo schon einmal gereist ist. Er hat einen kleineren Allradwagen namens Rocky mit dem er durch Australien reist. Der Plan war es nun erst mal zusammen weiter zu reisen mit Julius und seiner Reisepartnerin Heike, die er auf Gumtree gefunden hatte.

Julius , Flo und Heike

Leider hat die Chemie zwischen den beiden nicht gestimmt und nach ein paar Tagen musste sie gehen. Es tat mir Leid für sie aber wenn man sich nur gegenseitig anschweigt und andere Vorstellungen vom Reisen hat ist es wohl besser getrennte Wege zu gehen. Die nächsten Tage blieben wir noch in der Nähe der Stadt Busselton, da Flo sich eine Krankheit eingefangen hatte und wir auf die Laborergebnisse warten mussten. Da die Proben verschlampt wurden und die Beratung auch nicht weiter half kontaktierten wir meine Mutter die mir zum Glück das richtige Antibiotikum in meine Reiseapotheke eingepackt hatte. Es zahlt sich immer wieder aus Ärzte als Eltern zu haben!
Nun ging es weiter Richtung Esperance gen Osten. Auf dem Weg liegen einige schöne Nationalparks und wir nahmen uns vor ein paar schöne Plätze mit zunehmen. Es gab unglaublich viele und schöne Orte an denen wir vorbei kamen. Ich konnte nahezu überall angeln, Julius surfen und Flo seine Blasenentzündung auskurieren. Mir fiel direkt auf, dass Julius unfassbare Ähnlichkeiten mit Denys hat. Denys ist ein Freund aus Trier von Florian und mir. Flo ist das vorher noch nie aufgefallen was ich nicht verstehen konnte. Die beiden müssen sich auf jeden Fall mal treffen.
Kanguru-Aufzucht-Station in einer Touristinformation



Auf unserem Weg Richtung Augusta wollten wir eine Offroad Strecke befahren. Ludwig blieb recht schnell stecken und wir ließen ihn am Straßenrand stehen und fuhren mit Rocky weiter. Meine Wenigkeit auf der Bullbar und los geht’s! Es war meine erste wirkliche Offroad Strecke und wir hatten jede Menge Spaß auch wenn wir das eigentliche Ziel, den Blackpoint , nicht gefunden haben. 
Schon sandig die Strecke!

Extrem stolzer Julius mit seinem geliebten Rocky

Geilste Autofahrt ever!

Auf unserer weiteren Reise ging es durch die beeindruckenden Karri Wälder. Schatten, hohe Bäume echt ungewohnt aber angenehm.

Zwei extrem große Exemplare dieser Karri Bäume konnte man sogar an mächtigen Metallstangen besteigen. Der Dave Evans bicentennial tree war der größere der beiden. 75 Meter ging es hoch und 40 km weit konnte man in die Region blicken. Auf dem leicht schwankenden Baum ließen wir die Aussicht ein paar Minuten auf uns wirken bevor wir den Rückweg antraten. 


Anschließend ging es in den Wachinicup National Park. Dieser war der bisher schönste in dem ich in Australien war. Das Wildlife war absolut beeindruckend. Mehrmals sahen wir die großen schwarzen Echsen, die von den locals als „racehorse“ bezeichnet werden. Ein älterer Herr sagte nur zu mir, dass ich nie still neben diesen Amphibien stehen bleiben soll. Wenn sie sich bedroht fühlen rennen sie gerne mal Bäume hoch und ein still stehender Mensch sieht doch einem Baum täuschend ähnlich. Ihre Krallen können sich auf der Flucht in die Freiheit in deinen Körper eingraben und tiefe Wunden hinterlassen. Auch in diesem Nationalpark bot sich eine ideale Angelmöglichkeit. Ein Seitenarm führte vom Meer an unserer Campingbucht vorbei. Alle paar Sekunden sprang ein Fisch aus dem Wasser und ich verbrachte den kompletten Tag nur mit angeln. Was ein Angelparadis! 
Auf dem Weg wurden wir fast von einer Kuhherde überrannt.


Nachdem wir 3 Tage an diesem wundervollen Flecken Erde verbracht hatten wurde es Zeit weiter zu ziehen.

Bald gibt’s neue Nachrichten aus Australien!
Bis dahin haltet die Ohren steif! Euer Vincent


Ab nach Perth!

4 Uhr morgens kam ich bei kühlen 18 Grad in Perth an. Es war stockdunkel, alle Flughafengeschäfte waren geschlossen und bis auf ein paar schlafende Reisende auf den Flughafenbänken war die Ankunftshalle komplett leer. Es ist lange her, dass mir in Australien kalt war und ich mal wieder froh über meine Mammut Softchill-Jacke bin. Zum ersten Mal war ich nun komplett alleine in einer fremden Stadt, ohne Unterkunft und ohne Plan. Wohin jetzt? Ich googelte mir ein Backpackers zu Recht. 15 Kilometer mit all meinem Gepäck zu Fuß? Ich entschied nach einem kurzen inneren Konflikt doch für das warme Taxi. Nach 20 Minuten und knappen 50$ ärmer stand ich dann vor dem Banjo`s Backpacker. Als ich an der Tür rüttelte viel mir das Schild auf: Reception opens at 8 a.m! Na toll. Es war gerade mal 5 Uhr ich war tot müde und mir war immer noch kalt. Ich lief ein bisschen durch den kleinen Vorort Perth`s und fand den St. Vincent Park. Das muss ein Zeichen sein! Ich kramte einen Pullover, Socken und festes Schuhwerk aus meinem Backpack heraus. Langsam wurde mir etwas wärmer. Da ich sowieso noch 3 Stunden warten musste und mein Laptop und Handyakku leer waren entschied ich mich ein wenig auf der Parkbank im St. Vincent Park zu dösen. Als ich aufwachte stand ein Asiate in Sportkleidung vor mir. Er sah relativ besorgt aus und fragte mich ob ich Hilfe benötige? Ich lehnte dankend ab und sagte, dass ich nur hier warte bis das Hostel öffnet. Anschließend erklärte er mir, dass er einer Reiseorganisation angehört namens: Youth with a Mission! Er reist schon seit 10 Jahren durch die Welt und hilft bei Projekten, baut Kirchen und hilft Bedürftigen in Not. Anscheinend dachte er ich wäre ein Obdachloser oder was auch immer. Naja bevor er sich seinem morgendlichen Fitnessprogramm widmete wollte er noch unbedingt für mich beten. Warum denn nicht? Er stand nun vor mir und betete mit geschlossen Augen und gefalteten Händen für mein Wohlbefinden und dafür, dass ich meinen Weg finde. Es war auf jeden Fall eine interessante Erfahrung auch wenn ich mich ein bisschen komisch fühlte. Ich bedankte mich und fragte ihn nach dem nächsten Woolworth oder Mcdonalds. Er beschrieb mir grob den Weg und ich machte mich auf den Weg. Nach einem ausgewogenen Frühstück im Mäcces stand ich um 8 Uhr vor dem Banjos. Rauf ins Zimmer und schlafen!
Auf der Tfs Sandalwood Farm habe ich ein sehr nettes Irisches Pärchen kennengelernt namens Stacy und Garreth. Bevor die beiden  Katherine verließen haben sie mir noch angeboten, dass ich bei ihnen ein paar Nächte schlafen kann sollte ich jemals nach Perth kommen. Auf dieses Angebot wollte ich nun zurückkommen da die Hostelpreise in Perth echt wucher sind! Die beiden waren echt froh von mir zu hören und haben zufällig am selben Tag einen Mietvertrag für eine Wohnung unterschrieben. Wir verabredeten uns am nächsten Tag vor ihrer neuen Wohnung.

Es war echt cool die beiden wiederzusehen nach gut einem Monat. Ihre neu erworbene Wohnng war echt klasse und ich hatte eine große aufblasbare Matratze für mich alleine, die zudem 1000 Mal bequemer war als das Hostelbett. Die nächsten Tage zeigten sie mir ein wenig Perth und Umgebung. Mir gefiel Perth extrem gut! Es war eine gemütliche Großstadt mit einigen interessanten Gebäuden und echt schönen Stränden.
Der Belltower!




Nach zwei sehr schönen Tagen war es aber an der Zeit für mich weiterzuziehen. Flo hatte es nun mit seinem Van Ludwig nach Perth geschafft und ich wollte den beiden auch mal Zeit alleine in ihrer neuen Wohnung geben.  Ich verabredete mich mit Flo in der Innenstadt. Es war 15 Monate her das ich Flo das letzte Mal gesehen hatte. An seinem letzten Abend hatte er eine Abschiedsfeier in seinem Garten veranstaltet. Wir hatte damals zum Abschied gesagt: Vielleich sehen wir uns ja irgendwo in Australien wieder! Ich war noch kurz vor meinem Abi und mein Australien Plan stand schon grob fest. Ich hätte aber nicht gedacht, dass wir es echt schaffen uns zu treffen. Umso besser , dass es jetzt geklappt hat! Es war ein freudiges Wiedersehen! Wir haben beide erst einmal festgestellt, dass wir uns total verändert haben. Vor allem unsere Kopfformen haben sich verändert?! Geht das überhaupt in dem Alter noch? 


Ich bedankte und verabschiedete mich herzlich bei Stacy und Garreth und bot ihnen an mich in Trier mal zu besuchen. Ich hoffe das geht klar @ Mam und Pap? ;)
Garreth und Stacy

Nun sollte es also wieder auf einen Roadtrip gehen zusammen mit Flo. Nach dem ganzen Arbeiten und Bali war ich voller Vorfreude endlich mehr von Australien zu sehen.
Mein nächster Bericht wird dann unser Leben on the Road beschreiben und was wir da alles gesehen und erlebt haben.


Bis dann eure Vincent 

Bali

Nun ging es also nach Bali! Bali ist eine kleine Insel Indonesiens, die ein beliebtes Reiseziel der Australier ist. Es ist nah an Australien dran, billig und es herrschen angenehme Temperaturen. Das war mein Wissen bevor ich auf diese Insel geflogen bin. Wir kamen mittags am Flughafen Denpasar an und ich traute meinen Augen kaum. Ich hatte mir immer eine verschlafene, kleine, gemütliche Insel mit vielen schönen Stränden vorgestellt. Die Realität war eine laute, vielbefahrene, dreckige und extrem vollgestopfte Stadt. Ich habe noch nie so einen Verkehr erlebt. Jeder fährt generell so wie er will ob man dann mal gegen den Verkehr oder auf dem Bürgersteig fährt ist auch egal. Komplett geflasht von dem ganzen Trubel machten wir uns auf zu unserem Hotel der „ Puritana Lot“. Es war ein schönes Hotel mit Pool, Zimmerservice usw.
 Blick von unserem Balkon

Bali ist eigentlich bekannt dafür , dass es enorm billig ist aber wir waren  zur Hauptsaison da von daher war es ein bisschen teurer als sonst. Der Estonia Harry war schon 3 Tage vor uns angekommen und hatte für Marius und mich schon einen Roller mitgemietet. Laut ihm war ist es die einzige Möglichkeit in diesem Verkehrschaos voran zukommen. Ein bisschen skeptisch ob des extremen Verkehrs fuhren wir los. Es war zwar nicht ganz ungefährlich aber der Spaß und vor allem das Besichtigen der Stadt  waren es definitiv wert!


Kacka-Kaffee Verköstigung!

Den Monkeyforrest besuchten wir auch.

Wir fuhren den ganzen Tag herum und schnell gewöhnte man sich an den verrückten Fahrstil. Das ein oder andere Nahtoderlebnis war zwar inklusive aber es war ein riesen Spaß!
Wer braucht schon Tankstellen?!

 Leider regnete es anschließend jeden Tag in Kuta und das Neue Jahr wurde im strömenden Regen am Stand gefeiert. Wir waren zwar alle komplett durchnässt aber hatten trotzdem einen lustigen und schönen Rutsch ins neue Jahr. Wie an Weihnachten waren auch an diesem Tag natürlich meine Gedanken bei meiner Familie wie sie jetzt ohne mich feiern. Aber hier am Ende der Welt Neujahr an einem Strand zu verbringen war schon top!
Frohes Neues!

Am 2 Januar entschieden wir uns ein Speedboat zu den Gili Islands zu nehmen. Es hat schon eine schaukelige Bootsfahrt und den halben Tag gekostet bis wir da waren aber dafür haben wir auch den Regen hinter uns gelassen. Wir kamen auf der Hauptinsel an und es war genauso wie ich mir Bali an sich immer vorgestellt habe. Eine kleine Insel mit schönen Stränden , Beachbars und vielen braungebrannten Touristen. 



Noch beim Verlassen des Bootes wurden wir von einem Einheimischen angesprochen ob wir auf der Suche nach einer Unterkunft sind. Es war ein billiges Angebot und wir entschieden uns spontan den Izzy Homestay mal auszuprobieren. Jeder von uns hatte sein eigenes Zimmer und es war in einem akzeptablen Zustand auch wenn die Dusche nur ein aus der Wand ragendes Rohr war und meine Tür sich einfach nicht schließen lassen wollte.
Insgesamt war es ein echt schönes Flair auf dieser Insel. Es gab keine Straßen, Roller oder Autos. Die einzige Möglichkeit sich fortzubewegen war zu Fuß, Pferdekutsche oder mit dem Fahrrad. Da wir in einem Homestay untergebracht waren haben wir auch automatisch recht viel Kontakt mit den Einheimischen gehabt. Es war schon beachtlich wie glücklich und lebensfroh die Leute auf der Insel sind trotz ihrer nicht leichten Lebenssituation. Wenn man in Bali an die 200$ im Monat verdient zählt das schon zu den „Gutverdienern“. Wenn man das mal mit dem Mindestlohn in Australien vergleicht (20$) kann man sich gut vorstellen warum all die Australier Bali lieben. Bali ist für Australier wie Malle für die Deutschen. Sie genießen es sich öffentlich die Kante zu geben und mit Geld um sich zu schmeißen.
Wir ließen es uns gut gehen aßen stets in Restaurants oder an dem extrem vielfältigen Nachtmarkt und gammelten meistens am Strand ab. Leider schlug mir das ganze essen enorm auf den Magen und die eine Nacht verbrachte ich mit unvorstellbaren Magenkrämpfen über der Toilette… Zudem hatte sich noch eine handgroße Spinne in meinem Zimmer eingenistet.

Nicht die schönste Nacht meines Lebens. Am nächsten Tag verflogen die Schmerzen jedoch ganz schnell dank einer wundersamen Medizin und eine umwerfenden Besichtigung der kompletten Insel, die wir auf dem Fahrrad einmal komplett umrundeten.
Medizin

Dieser Tag war auf jeden Fall der schönste den ich auf Bali hatte. Als der eine Teil unser „Bikecrew“ trödelte entschied ich mich spontan ein bisschen auf eigene Faust weiterzufahren.
Bike-Crew!

Auf dem Fahrrad durch eine noch relativ unbesiedelte und unerforschte Insel zu gurcken hatte schon was für sich!

Zwar wird schon eine Hotelanlage nach der anderen errichtet aber man findet trotzdem noch unberührte Natur und traumhafte Strände. An einen dieser Strände kam ich vorbei und ich ließ mich spontan zum Schwimmen hinreißen. Eine Sandbank führte gut 100 Meter ins offene Meer. Ich lief ins offene Meer hinein bis die Strömung mich fast von den Füßen riss. Unter mir lagen eine Vielzahl an farbenfrohen Korallen, Muscheln und Unterwasserpflanzen. In diesem Moment war ich einfach nur überwältigt! Genau für diese Momente reist man doch. Irgendwo am Ende der Welt im Meer stehen und die atemberaubende Natur genießen! Einfach der Wahnsinn!

Traumhafter Strand

Eine Stunde später trudelten die anderen ein und wir ließen den Abend in einem schönen Restaurant am Strand ausklingen.
Am nächsten Tag stand eine Schnorcheltour an. Da ich ja schon das Great Barrier Reef beschnorchelte habe ich nicht all zu viel erwartet. Wir fuhren mit dem Boot hinaus und hielten an mehreren Stationen an. Die Fische und Korallen hat man alle schon im Great Barrier Reef gesehen aber die zahlreichen Schildkröten mit denen man sogar schwimmen konnte waren beeindruckend! Eine Schildkröte tauchte sogar genau neben mir auf. Sie war halb so groß wie ich und verschwand erst wieder in den Tiefen nachdem ich sie mehrmals angefasst hatte. An dieser Stelle ist mir wieder eine Kindheitssünde eingefallen:
Ich hatte als ich ca. 6 Jahre alt war eine kleinere Operation in meinem Ohr. Damals sagte mir meine Mutter, dass ich nach der Operation mir eine Schildkröte oder einen Gameboy Colour aussuchen darf. Meine Schildkrötenfaszination war damals schon ausgeprägt aber der damalige Vincent entschied sich lieber für Schiggy in dem Gameboy anstatt für eine echte Schildkröte. Was wohl anders wäre wenn ich damals die Schildkröte genommen hätte… Sie würde bestimmt in meinem Zimmer sehnsüchtig auf meine Rückkehr warten und wäre schon stolze 14 Jahre alt. Indes trollt der Gameboy in irgendeiner Schublade und funktioniert nicht mal mehr. Ich glaube zumindest, dass ich einer Schildkröte noch ein schönes zu Hause schulde! Vielleicht wenn ich wieder nach Hause komme J
Am selben Tag packte ich noch meine Sachen denn am nächsten Tag sollte ich als erster unserer Gruppe Bali verlassen um in den Westen Australiens nach Perth zu fliegen. An diesem Punkt trennte sich Marius und mein Weg  zum ersten Mal über eine weitere Distanz. Nicht weil wir uns nicht mehr verstehen oder einen Streit hatten. Ich möchte einfach nur ein bisschen alleine reisen und meine eigenen Erfahrungen sammeln. Irgendwann werden wir uns irgendwo in Australien wiedertreffen und das Land weiter zusammen bereisen. Ich verabschiedete mich also von Marius, Britta , Sonja und Harry und fuhr mit dem Bot zurück nach Kuta. Ich verbrachte den ganzen Tag in einem Starbucks Coffee in dem ich den besten Pfeffervince-Schokoladen-Kaffee ever hatte. Mein Flug ging spät am Abend und ich sollte um 4 Uhr morgens in Perth landen.
Das war es zu Bali und nun geht es alleine, ohne Plan nach Perth. Ich hab mich wiedermal nicht informiert was mich erwartet ich weiß nur dass ich in ein paar Tagen meinen alten Freund Florian Steinmeier treffen werde und wir von Perth aus einen Roadtrip ins ungewisse starten. Es bleibt also weiter spannend J
Liebe Grüße und bis bald!

Euer Vincent

Katherine

Die Zeit in Katherine ist wahnsinnig schnell vergangen! Mein 20stes Lebensjahr ist nun angebrochen und ich habe noch vor viel zu sehen und zu erleben. In Katherine fängt gegen Oktober die Rainseason an. In Jahren mit besonders extremen Niederschlägen können die Wassermaßen sogar bis in die Stadt reichen. Das passiert aber nur extrem selten.

Anfang November wurde es immer stürmischer und es regnete regelmäßiger. Das beeinflusste leider unsere Arbeitszeiten auf dem Sandalwood-Field. Wenn es regnet werden die Chemikalien direkt wieder von dem Unkraut gewaschen. Wenn es zu stark windet zerstreuen sich die Chemikalien und wir laufen Gefahr die Sandalwood-Pflanzen zu zerstören. Also mussten wir aufhören sobald ein Unwetter aufzog. Nach einer schlechten Woche im November habe ich mich entschlossen bei meinem alten Job anzufragen. In einem Bottleshop ist man natürlich unabhänig von dem Wetter. Ich konnte sofort wieder anfangen und entschied mich etwas neues(altes) auszuprobieren. Ich hatte zwar gerade mal die Hälfte meiner Farmtage aber ich war mir ziemlich sicher, dass ich mein zweites Visa nicht benötigen würde. In den ersten zwei Wochen arbeitete  ich jeden Tag und am Wochenende sogar 13 Stunden. Erst Bottleshop und anschließend bis in den frühen Morgen hinein hinter der Bar. Ja ihr habt schon richtig gehört ich als Barkeep J 

Schlimmster Teil des BS! Der Drive-Through.


Katherine ist natürlich schon ein spezieller Ort für diesen Job. Es gibt harte Regulierungen wie viel Alkohol man pro Tag kaufen darf und in welchem Zustand. Pro Tag darf jede Person über 18 Jahre nur einen Beutel Goon kaufen. Goon ist dieser minderwertige billig „Wein“ den die Backpacker und Aborigines lieben. Da aber vor allem die Aborigines zu viel trinken darf man nur einen 2 Liter Beutel pro Tag kaufen. Beim Kauf muss der Käufer uns seinen Personalausweiß vor zeigen und wir scannen ihn in ein System ein, welches mit allen Bottleshops im Northern Territory verbunden ist. So können wir sehen ob diese Person bereits Alkohol gekauft hat an diesem Tag. Zudem darf man in Australien keiner Person Alkohol verkaufen die schon etwas Alkoholhaltiges getrunken hat. Unsere Aufgabe ist es also herauszufinden ob der Kunde betrunken ist oder nicht. Dies ist in der Tat manchmal ein schwieriges Unterfangen. Viele von ihnen sind einfach extrem neben der Rolle, nuscheln, zittern und verhalten sich merkwürdig. Von daher müssen wir jeden wieder wegschicken, bei dem wir uns unsicher sind. Wenn wir eine betrunkene Person bedienen und ein Polizist das sieht würde ich meinen Job verlieren und ein Strafgeld von 4000 Dollar zahlen. Zudem würde dann der Bottleshop für eine Woche geschlossen werden und ein Strafgeld von 40.000 Dollar wird fällig. Zusätzlich wird der Laden für eine Woche geschlossen und alle Einnahmen der Woche werden an den Staat gezahlt. Die Regulierungen sind schon nicht ohne.
Marius, Britta, Franzi un Sonja entschieden sich bei dem Farmjob zu bleiben und zogen auf die Farm da man dann flexibler arbeiten kann und höchstwahrscheinlich bessere Stunden bekommt. Das war nun also das erste Mal, dass Marius und ich uns aufteilten. Zwar sahen wir uns noch ab und zu an den Wochenenden aber wir lebten nicht mehr am selben Ort. Allerdings hatten wir und die drei Mädels noch zusammen einen Flug nach Bali gebucht damit wir über Silvester dem nassen Katherine entkommen. Der Urlaub stand also schon fest und nun hieß es nochmal einen Monat arbeiten. Luke, Chiko und ich wohnten nun nicht mehr im Rj`s sondern in dem Stuart Motel. Es war nicht besser als das Rj`s aber wir erhofften uns ein paar neue Leute kennenzulernen. Zudem waren unsere Tage im Rj`s auch schon gezählt, da es auch kein sonderlich guter Ort für Backpacker ist J
Luke und ich hatten die meiste Zeit ein eigenes Zimmer und Chiko war nebenan mit Luka (Italiener) und Chiko „2“ (Franzose).
Chiko , Luka , Jake , (vorne Chiko 2)

 Da ich nun mit keinen Deutschen mehr zusammenlebte war ich gezwungen Englisch zu reden. Zwar war ich vorher auch immer bemüht so selten wie möglich Deutsch zu reden aber nun gab es nicht mehr die Möglichkeit. In dieser Zeit hat mein Englisch sich auch enorm verbessert und man passt sich natürlich dem Slang der Stadt an. Da in der Rainseason kaum noch Backpacker in der Stadt waren wurde es immer ruhiger. Der Job in einem BS ist zwar nicht wirklich anstrengend, aber kann durch aus sehr auf deine Stimmung schlagen…  Jeden Tag gerät man in mehrere Streitigkeiten mit den Abos. Viele von ihnen sind betrunken und versuchen trotzdem Alkohol zu kaufen. Wenn wir sie dann wegschicken hört man eine Vielzahl von Beleidigungen und Gewaltandrohungen. Für sie ist Gewalt in erster Linie die einzige Möglichkeit der Konfliktlösung. Aus diesem Grund haben wir überall Kameras und ständig anwesende Securitys. Es ist schon das ein oder andere Mal soweit gekommen, dass Securitys oder Polizisten uns aushelfen mussten wenn ein Kunde zu weit ging. Es ist schon ein merkwürdiges Gefühl wenn vor deinen Augen ein Mensch von der Polizei niedergerungen, festgenommen und abgeführt wird nur weil er sich darüber aufregt , dass du ihm den Alkohol verweigert hast.
Zorniger Kunde wurde abtransportiert.

 Aber genau diese Situationen erlebte man jeden Tag im BS. Bevor man in einem BS arbeiten darf muss man die sogenannte „ Liquer Liscence“ abschließen. Das ist einfach nur ein Online-Test der dir zeigt wie man mit Betrunkenen Menschen umgehen soll. In der kompletten Zeit die ich dort arbeitete habe ich es nie geschafft diesen Test abzuschließen da immer irgendetwas dazwischen kam. Dies hatte auch fast ersthafte Auswirkungen als wir eines Abends Besuch von der Polizei bekamen. Ich stand nichts ahnend hinter der Bar als auf einmal mein Chef mich wegscheuchte und mir sagte ich soll mich in dem Kühlraum verstecken. Da stand ich also nun und frierte mir den Arsch in dem extrem kalten Raum ab. Kurze Zeit später durfte ich wieder raus musste aber meinen Job mit einem der Securitys tauschen. Der Security stand nun planlos hinter der Bar und ich planlos neben dem Eingang. Nach einer Stunde war dann auch wieder alles in Ordnung und wir tauschten wieder unsere Rollen. So macht man das nun mal in Katherine. Nun aber nochmal zurück zu den Abos: Man soll zwar immer ruhig und höfflich bleiben aber das fällt einem manchmal extrem schwer wenn sie probieren dich zu verarschen oder dich aufs übelste beleidigen. Von daher hat man auch ab und Momente in denen man ihnen gegenüber laut oder aggressiv wird. Es gab immer wieder Tage an denen man einfach nur genervt ins Motel kommt sich schlafen legt und genau weiß, dass der ganze Wahnsinn am nächsten Tag weiter geht und an dem darauf auch und am Wochenende dann sogar in 14 Stunden-Schichten. Naja das Geld hat gestimmt und es gab mir was zu tun in der doch recht tristen Regenzeit. Einerseits habe ich Mitleid mit den Abos, da man sieht wie sie ihr Leben und das ihrer Kinder zerstören. Aber genauso ist man mit der Zeit derartig genervt von ihrem Verhalten. Vor allem der „Big Boss“ des Bottleshops und der ein oder andere Manager behandeln die Abos wie den letzten Dreck. Für sie sind diese nur eine sichere und unersättliche Geldquelle. Eines Tages kam eine schwangere Aborigine Frau in den Laden und wollte Alkohol kaufen. Ich habe sie natürlich abgewiesen auch wenn sie nüchtern war. Dies wiederholte sich ein paar Mal und das eine Mal regte ich mich mit Luke darüber auf, dass sie nicht an ihr Kind denken sondern nur an den Alkohol. Unser Boss bekam das mit und zeigte uns unseren Vertrag, den wir unterschrieben haben. Darauf stand, dass wir auch Schwangere Personen bedienen müssen! Wenn wir das nicht tun und er es sehen würde kann er uns deswegen feuern. Das war für mich eine echt erschreckende Einsicht wie egal es den meisten ist was aus den Abos wird. Wenn die Mutter schon in der Schwangerschaft permanent trinkt und das Kind in diesem Umfeld aufwächst dann ist es ja kein Wunder, dass sie nie wirklich Fuß fassen und sich ein Leben aufbauen. Es ist quasi wie ein Teufelskreis. Ich habe schon einige Erfahrungen gesammelt in Katherine und es war auch alles in allem eine tolle Zeit dort. Zwar zählte ich schon die Tage bis zu meiner Abreise aber es war trotzdem ein merkwürdiges Gefühl die Stadt nach vier Monaten Richtung Darwin zu verlassen.
Letzter Arbeitstag. Ein Wink mit dem Scheunentor?!


Kurz vor Weihnachten machten Marius, Harry (aus Estland) Richtung Darwin auf. Unser Flug nach Bali sollte am 27.12 gehen aber wir wollten noch ein bisschen Zeit haben um den Van zu verkaufen , da schon fest stand, dass ich nach Bali erst mal alleine weiter reise. In Darwin angekommen regnete es die ganze Zeit und zudem hatte ich mir leider meinen Magen verdorben und lag nur im Bett… Das galt auch für den Heiligenabend an den ich mir vor allem in dieser Situation nichts anderes gewünscht hätte als zu Hause zu sein. Krank sein ist ja sowieso nichts Schönes aber wenn man sich dann noch im Ausland befindet ist es nochmal schlimmer. Den Van konnten wir leider nicht verkaufen und von daher vertrauten wir ihn Kas, einem Australier den wir im Hostel kennengelernt hatten, an. Er wollte ihn für uns verkaufen und uns anschließend das Geld überweisen. An sich war das natürlich sehr leichtsinnig, da wir ihn erst seit kurzem kannten und er genauso gut mit dem Geld/Van abhauen kann. Eine andere Möglichkeit gab es allerdings nicht da ich nicht mehr nach Darwin zurückkehren werde. An diesem Punkt muss ich auch ehrlich sagen habe ich mich bereits damit abgefunden, dass ich die Gutruhn oder das Geld für sie vermutlich nie zu sehen bekomme.
Das wohl letzte Bild von Gutruhn! 

 Nach also einer nicht so berauschenden Zeit in Darwin ging es dann am 27 Dezember endlich Richtung Bali!

P.S.
Während meiner kompletten Arbeitszeit im BS lag das im Kühlraum

Heyho ,
Nach langer Abstinenz melde ich mich mit einem Blogeintrag wieder zurück. Der jetzige Eintrag und die folgenden werden nur von mir (Vincent) kommen. Der Grund warum wir das Blogschreiben in Katherine aufgegeben hatten ist einfach nur weil wir nicht wirklich das Gefühl hatten, dass es viel zu berichten gab. Jedoch habe ich jetzt gemerkt, dass ich vor allem die Erinnerungen für mich haben möchte. Man vergisst alleine schon Kleinigkeiten, die man vor ein paar Tagen erst erlebt hat. So ein Reiseblog ist halt perfekt wenn ich in ein oder zwei Jahren mir ihn durchlese werden ich bestimmt wieder all die Erinnerungen durchleben, die ich damit verbinde. Zudem habe ich festgestellt, dass es besser ist einen Blog alleine zuschreiben da man dann auf jeden Fall nur seine subjektive Meinung einbringt. Wenn man zu zweit schreibt geht man immer kleine Kompromisse ein und das verfälscht  dann ein wenig die Erinnerung. Es wird auf jeden Fall nicht ganz einfach die letzten 5 Monate zu rekonstruieren aber ich versuche mein Bestes.

Katherine:
Im letzten Eintrag, der echt verdammt lange zurück liegt, haben wir darüber berichtet, dass wir uns vorstellen könnten hier in Katherine ein bisschen Zeit zu verbringen und auch zum ersten Mal in das Arbeitsleben eintauchen wollen. Aus dem „bisschen Zeit“ wurde ein 4 monatiger Aufenthalt in Katherine. Wenn man mal überlegt, dass das 1/3 unseres Visums beträgt ist es echt eine lange Zeit. Wir sind also mehr oder weniger freiwillig in Katherine gelandet und hatten keine Ahnung was uns erwartet. Wir haben in dem Backpackers Cocos direkt Britta, Franzi und Sonja kennengelernt (allesamt aus Deutschland) , Luke (Engländer) und Chiko (Australier). Nach ungefähr einer Woche wurden wir unglücklicher Weise aus dem Hostel geschmissen. Der Grund war total lächerlich, da wir eigentlich nur einen lustigen Abend hatten, den wir sogar um 10 Uhr abends beendeten. Da der Hostel-Besitzer Coco (ein sehr entspannter Mensch) sich im Urlaub befand war ein Freund von ihm für das Hostel verantwortlich. Er war leider nicht so entspannt und entschied kurze Hand, dass die Nachtruhe schon um 6 beginnt und setzte uns allesamt am nächsten Morgen vor die Tür. Na toll … Wir durften uns nun also eine neue Unterkunft suchen, was mit 7 Leuten gar nicht mal so einfach ist. Das andere Backpackers war generell komplett ausgebucht und anscheinend ist auch irgendwie durch Katherine rum gegangen , dass wir aus Cocos rausgeschmissen wurden. Nach 6 stündiger Suche bei gemütlichen 45 Grad haben wir zum Glück Lesley gefunden , welcher Zimmer in seinem Haus zu günstigen Preisen vermietet, ein sogenanntes Sharehouse. Die Vorstellung wieder in ein richtiges Haus einzuziehen hat uns allen sehr gefallen und voller Elan haben wir uns also aufgemacht zu Lesleys Haus. Die Euphorie verpuffte jedoch in Sekunden. Das Haus war unbeschreiblich! Wenn man zur Primetime in Deutschland auf Rtl 2 schaltet sieht man manchmal solche ominösen Shows bei denen „Messi Häuser“ entmistet werden. Dieses Haus hätte auf jeden Fall eine zweigeteilte Sonderepisode bekommen. Die Haustür konnte man nicht richtig öffnen, da das „Wohnzimmer“  zu einer Mülldeponie umfunktioniert wurde. Überall lagen Haufen von Müll und man konnte sich nur schwer einen Weg zur Küche bahnen. Diesen Weg hätte man sich auch glatt sparen können da das einfach mal die unappetitlichste Küche überhaupt war. Überall lagen tote Kakerlaken und im Kühlschrank konnte man einer Pilzkolonie beim Wachstum zuschauen.


Unser gemütliches Schlafzimmer


 Es hat uns mit 7 Mann zwei komplette Tage gekostet das Wohnzimmer und die Küche aufzuräumen. Als ob das nicht schon genug war hatte der gute Lesley noch ein paar andere Überraschungen auf Lager: Man durfte kein Alkohol in seinem Haus trinke , keine Schimpfwörter benutzen , was vor allem für Chiko eine wahre Herausforderung war. Zudem musste die Tür zum Zimmer der Mädchen stets offen sein falls er kurzfristig an seinen dort lokalisierten Waffenschrank musste. Es war einfach echt merkwürdig dort zu wohnen von daher entschieden wir uns so bald wie möglich auszuziehen. Wir gingen also wieder nach Katherine, was von seinem Haus 3 Kilometer entfernt war und fanden zum Glück RJ`s Motel.


Vor dem Van ist unser Zimmer


 Wir 4 Jungen waren in einem Raum und die Mädchen hatten ihren eigenen Neben uns. Der einzige Nachteil war, dass wir keine Küche hatten. McDonalds und Woolworth um die Ecke – passt! Als wir Lesley schonend beibrachten, dass wir nach nur 3 Tagen wieder ausziehen verfolgte er uns sogar noch bis zum RJ`s Motel. Es war wohl die richtige Entscheidung von dort wegzuziehen!
Bevor wir jedoch gegangen sind hatte uns Lesley netter Weise noch die Telefonnummer einer Farm organisiert. Die Kings Produce Farm suchte anscheinend noch Helfer für die Kürbisernte. Ein paar Anrufe später hatten wir sogar unseren ersten Job in der Tasche. Die Kürbisernte gilt als eine der  härtesten Erntejobs Australiens und hat in den Belangen auch nicht enttäuscht. Es war die härteste körperliche Arbeit die ich je in meinem Leben gemacht habe! Bei 45 Grad in der prallen Sonne sich in den Staub bücken, einen Eimer mit Kürbissen zu füllen und ihn anschließend über deinen Kopf hinweg in den Traktor zu entleeren ist echt kein Vergnügen. Die liebesvolle Fürsorge des Farmersjungen, der nur in seinem airconditioned truck saß und ab und zu rauskam um uns zu kritisieren machte die Arbeit auch nicht einfacher. Die Bedingungen waren so hart, sodass wir es nie geschafft haben einen Arbeitstag mit der vollen Crew zu beenden. Jeden Tag musste einer unserer Crew vom Feld abgeholt werden da er kurz vor dem Zusammenbruch war.
Sieht harmloser und friedlich aus. Die Ernte ist aber echte Knochenarbeit!

 Nach 5 Tagen war es dann auch zum Glück vorbei und bei 19,96 Dollar pro Stunde kam dann doch noch einiges bei rum. Jetzt hieß es wieder auf Jobsuche zu gehen und sich Katherine mal näher anzugucken.
Katherine an sich ist schon eine interessante Stadt. Sie ist immerhin die dritt größte Stadt des Northern Territorys und beherbergt fast 6 Tausend Einwohner. Im nahen Umfeld der Stadt befinden sich einige Aborigine Siedlungen. Die Zustände, in denen die Aborigines in Katherine hausen sind extrem traurig und abschreckend! Da die Aborigines vor nicht einmal 100 Jahren erst in die moderne Gesellschaft „integriert“ wurden, hatten sie kaum Zeit sich anzupassen. Wenn man überlegt ,dass sie vor 100 Jahren noch im Busch lebten und keinen blassen Schimmer hatten was um sie herum geschieht und ihnen dann von heute auf morgen ein vollkommen anderes Leben gezeigt wird –Natürlich gibt es da Probleme. Zudem haben sie größtenteils nicht freiwillig ihr Land verlassen. Viele Siedlungen wurden umgesiedelt oder zerstört, da man an den Bodenschätzen des Landes interessiert war. Die meisten von ihnen schaffen es einfach nicht sich ein richtiges Leben aufzubauen, da sie ihr Geld für Alkohol und Spielautomaten ausgeben. In Katherine betrinken sie sich Tag für Tag und leben wie Obdachlose. Jeden Donnerstag bekommen sie Geld vom Staat überwiesen und wenn mal wieder eine große Fläche Land verkauft wird bekommen sie einen Aufschub. Bevor ich nach Katherine kam war mir diese Situation nicht bewusst und ich hätte auch nicht erwartet, dass es in Australien so zugeht.
Wir selber haben meistens was in unserer Gruppe unternommen und nach und nach haben wir alle einen Job in Katherine gefunden. Marius und ich wurden dann auch zum Glück fündig: Er bekam einen Job bei Betta Electrica und ich arbeitete in dem Bottleshop der zur Bar Kirbys gehört. Wir arbeiteten gerade mal eine Woche dort und schon bekamen wir ein Jobangebot auf einer Sandalwood Farm. Unsere Aufgabe war es das Unkraut rund um die „guten Pflanzen“ zu sprühen.

In der Ferne sieht man die Traktoren mit den Sprayguns

 Der verdienst war extrem gut und die Arbeit auch nicht zu schwer. Wir arbeiteten tagsüber für 24 Dollar die Stunde und für 28 Dollar die Stunde in der Nacht. Bei Überstunden gabs dann sogar 36 Dollar J Ein weiterer Vorteil war, dass wir unsere Farmtage bekommen haben. Wenn man hier in Australien ein zweites Jahr bleiben möchte muss man mindestens 3 Monate Farmarbeit nachweisen. Unser Alltag sah eigentlich immer gleich aus. Von Montag bis Freitag arbeiteten wir von 16 Uhr bis 12/1 Uhr morgens und das Wochenende hatten wir frei. Es ging eigentlich jeden Samstag ins Kirbys und Sonntag war chillen angesagt. Am 29 Oktober feierte ich sogar meinen Geburtstag  auf dem Sandalwoodfeld. Ein Traum wurde war! :D

Beim nächsten Mal berichte ich weiterhin von meiner Zeit in Katherine und unseren Plänen nach Bali zu fliegen. Bis dann

Euer Vincent

P.S Ein paar weitere Eindrücke vom Sandalwoodfeld: